Entwicklung der Wochenendsiedlung

 
Der Eicher See, früher auch "Eicher Loch" oder "Mintheloch" genannt, war schon vom Anfang seiner Entstehung an, Ziel von Tages- und Wochenendausflüglern aus der näheren Umgebung. Zu Fuß, mit dem Paddelboot oder per Fahrrad kamen die Besucher, insbesondere aus Worms, und entdeckten den Baggersee als Angel- und Wassersportrevier. Mit der Motorisierungswelle der fünfziger Jahre verstärkte sich diese Entwicklung und schon bald wurden kleine Zelte aufgeschlagen, um die Aufenthalte auf das Wochenende auszudehnen. Schnell vergrößerte sich auch der Radius, aus dem die Ausflügler kamen, auf ganz Rhein- und Südhessen, sowie die Großstädte Mainz, Wiesbaden, Frankfurt, Darmstadt und Mannheim / Ludwigshafen. Pioniergeist war angesagt: Die Stammgäste steckten inmitten der urwüchsigen Landschaft ihre "Claims" ab, pflegten und verteidigten sie gegen Konkurrenten und Eindringlinge, erste Holzhütten und Behausungen aus ausrangierten Bauwagen und Bussen entstanden. Kurz gesagt: Die Menschen nahmen die Landschaft in Beschlag und "besiedelten" sie, ohne daß es zunächst hierfür Regeln gab, die zu beachten gewesen wären. Gegen geringen Pachtzins sicherte man sich seine Rechte innerhalb der selbst gesteckten Grenzen. Es gab keinerlei gewachsene Infrastruktur. Spricht man heute mit Zeitzeugen dieser Epoche, dann spürt man förmlich den stolzen Pioniergeist, den Hauch von "Wildem Westen, Freiheit und Abenteuer".
 
In der Siedler-Frühzeit waren die Ansprüche an Komfort noch bescheiden. Das Trinkwasser brachte man in Kanistern von zu Hause mit, Kerzen und Gas- und Petroleumlampen sorgten für Licht am Abend und in der Nacht und die unbefestigten Wege, die sich bei Regen in mehr oder weniger gut passierbare Schlammstrecken verwandeln konnten, wurden hingenommen. An die Schnaken hatte man sich zwar nur notgedrungen gewöhnt, und man ertrug sie mit einigem Humor. Wenn sie aber in unerträglichen Massen auftraten, ergriff man auch schon mal die Flucht in die sichere Wohnung zu Hause. Trotzdem hielt man an dem eroberten Stückchen noch weitgehend ursprünglicher Natur mit Auwald, Wasser und nahen Wasservögeln, Feld- und Waldvögeln und Rehen fest und kam wieder. Heute werden in jedem Jahr Schnakenbekämpfungs-maßnahmen durchgeführt, wobei mit einem biologischen Insektizid (Bacillus thuringiensis) die Schnakenlarven selektiv abgetötet werden, ohne dass andere Tierarten einschließlich Mensch davon nachteilig betroffen sind. Dieses unreglementierte Leben in der Natur und fern der Stadtwohnung verhinderte aber nicht, dass sich schon bald gut bekannte und erprobte Initiativen zur Abgrenzung des eigenen Reviers, d.h. des in Besitz genommenen Grundstücks, entwickelten: Die Behausungen wurden befestigt, Zäune wurden erstellt, individuell wurde das Grundstück mit Rasen, Blumen und Sträuchern verschönt, nachdem die Auwald- und Kopfweidenreste beseitigt worden waren. Das Seeufer wurde irgendwie und ganz unterschiedlich befestigt und z.T. auch noch bebaut. Diese nicht selten wilden Aktivitäten führten jedoch auch zu einer Reihe von Ergebnissen, die die Nachbarn störten und die Umwelt belasteten, z.B. was die Entsorgung der Abwässer einzelner Parzellen anbetraf.  
 
1964 wurde deshalb durch die Gemeinde Eich die "Polizeiverordnung Eicher See" erlassen, und die Errichtung von Bauten wurde 1968 durch einen Bebauungsplan einer Ordnung unterworfen. In diesem Plan wurde festgelegt, dass nur 10% der Größe einer Parzelle überbaut werden darf, höchstens aber 60 m2. Diese Regelung gilt heute noch. So entstand dann über die Jahre mit 700 Parzellen, die nahezu alle bebaut sind, das größte geschlossene Wochenendgebiet in Rheinland-Pfalz.