Die Kiesgrube und ihre Erdgeschichte


Am Rheinkilometer 466 (Oppenheim liegt am Stromkilometer 480) ist linksrheinisch das Rheinufer auf ca. 20 Meter unterbrochen: Diese Lücke ist die Verbindung des fließenden Rheins mit einem stehenden Gewässer, das eine Ausdehnung von 1,9 km in der Länge und maximal 0,5 km in der Breite hat, dem Eicher See.

Der Name weist auf die Nähe der Ortschaft Eich hin. Die Fläche des Sees, der durch mehrere kleine Halbinseln in einen zentralen Teil und in Seitenbuchten gegliedert ist, beträgt 58 ha. Die Längsachse erstreckt sich von Südosten nach Nordwesten, die eben erwähnte Verbindung zum Rhein befindet sich im nordwestlichen Drittel des Sees.

Der Rhein ist durch eine Uferregion mit Auwald und Ackerland vom See getrennt. Er fließt also nicht durch den See, sondern an ihm vorbei. 

Durch die Verbindung mit dem Rhein ist aber der Wasserstand im See vom Wasserstand des Rheins abhängig, was vor allem bei Hoch- und Niedrigwasser von Bedeutung ist. Der See liegt auf rheinland-pfälzischem Gebiet in der Rheinschleife bei Gernsheim, einer kleinen Hafenstadt auf dem rechten, hessischen Rheinufer.

In dieser ausgeprägten Rheinschleife - von Süden her bei Stromkilometer 461 beginnend - fließt der Rhein direkt westwärts ab Stromkilometer 464 und erst wieder ab Stromkilometer 467 nach Norden, seiner allgemeinen Fließrichtung.
Diese Rheinschleife ist bei den zwischen 1827 und 1874 durchgeführten Rheinbegradigungs-maßnahmen nicht "stillgelegt" worden, so daß damit ein Teil des ursprünglichen, mäandrierenden Stromverlaufs erhalten blieb.
 
Das wenige Stromkilometer stromabwärts liegende Naturschutzgebiet "Kühkopf" auf der hessischen Seite ist das Ergebnis dieser Rheinbegradigungen, da die ursprüngliche Rheinschleife bei Guntersblum durch die Begradigung (und damit "Kanalisierung") des Rheins zum Altrhein wurde. Der von Rheinwasser durchströmte Altrhein umfließt das ursprünglich in der Rheinschleife gelegene Land. Die westliche Begrenzung durch den begradigten Strom macht den Kühkopf zur Insel. Eine solche Veränderung des Rheinverlaufs trat wegen der nicht erfolgten Rheinbegradigung bei Gernsheim nicht ein.

Der Eicher See liegt daher in einem mit dem linksrheinischen Hinterland verbundenen Gebiet, das im Südosten, Osten und Norden vom Rhein umflossen wird. Sein Flußbett ist durch Uferbefestigungsmaßnahmen aber auch kanalisiert worden, was die ursprüngliche kleinräumige, spontane und zeitweise Verbreiterung der Wassermassen bei Hochwasser verhindert und die Strömungsgeschwindigkeit unnatürlich erhöht. Vor der Kanalisierung trugen solche zeitweisen Verlagerungen des Flusses in der jüngeren Erdgeschichte aber dazu bei, daß der Eicher See entstehen konnte. Denn die steinigen und sandigen Ablagerungen des mäandrierenden Flusses bildeten z.T. mächtige Sand- und Kiesschichten bis zu mehr als hundert Meter Tiefe. Die in diesem Jahrhundert durch eine stark angestiegene Bautätigkeit benötigten Sand- und Kiesmengen führten in vielen Teilen des Rheintals zur Einrichtung von Kiesgruben, d.h. zum industriemäßig betriebenen Abbau von Kies und Sand.
 
Auch im Gebiet der Rheinschleife bei Gernsheim entstand eine solche Kiesgrube, und zwar auf Teilen der Gemarkungen von Eich und dem benachbarten Ort Hamm, was den Eicher See entstehen ließ. Bodenuntersuchungen auf den Fluren "Steinswörth" und "Im Weidich" der Gemeinden Hamm und Eich hatten ergeben, daß verwertbare Kiesschichten bis zu einer Tiefe von ca. 30 m unter der Geländeoberfläche lagerten. Die Geländeoberfläche war sumpfiges, nasses und von Schilf durchwuchertes Land, das landwirtschaftlich wenig oder gar nicht nutzbar war. Die geologische Bodencharakterisierung weist das Gebiet der Rheinschleife wie folgt aus: "Junge Rheinmäandersysteme mit schluffigem1) Auenlehm bzw. schluffig-tonigem Auenlehm". Die Charakterisierung des Bodens ist im wesentlichen so: "Brauner Auenboden mit Vergleyung2) im Untergrund; Acker und Grünland z.T. geringe Nutzungsmöglichkeit; hohe bis mittlere Wasserdurchlässigkeit; Grundwasserstand schwankend, entsprechend der Wasserführung des Rheins; z.T. periodisch überflutet." Auf der Gemarkung Hamm (Steinswörth) sind größere Gebiete von nur sehr geringer nutzbarer Feldkapazität, da dort überwiegend Gley aus Sand vorkommt. Pappelanpflanzung ist dort dominierend, die sich auf solchem Boden hält. In Rheinnähe entstand oft eine vom Menschen beeinflußte Bodenstruktur (anthropogene Böden) durch flächigen Abbau des Auen- bzw.- Hochflutlehms. Auf den Gemarkungsteilen von Eich, die am See liegen, ist eine solche Bodenstruktur nicht vorhanden. Hier herrscht der oben beschriebene braune Auenboden vor.
 
Am 25. Januar 1927 beschäftigte sich der Gemeinderat Eich mit der Möglichkeit der "Anlage eines Hafens durch die Industrie-Gesellschaft mbH, Mainz". Unter "Anlage eines Hafens" war der Aushub von Kies gemeint. Dabei war auch die damit verbundene "Entstehung einer Lücke" im Sommerdamm Teil der Beratungen. Nach einer Begutachtung der Pläne "an Ort und Stelle" entschied sich der Gemeinderat am 23. Mai 1927 für den "Hafen" mit der Bedingung, daß die entstehende Lücke im Sommerdamm so abgesichert wird, daß die Gemeinde Eich bei einem etwaigen Hochwasser nicht geschädigt werden kann. Eine weitere Bedingung war, daß die kommenden Arbeiten "in erster Linie durch die Eicher Arbeitslosen durchgeführt werden. "Grundlage für diese Entwicklung war der in den Jahren 1923/24 erfolgte Geländekauf durch die Firma F. Minthe im Bereich der heutigen Einfahrt zum Eicher See mit dem Ziel, dort Kies- und Sandabbau zu betreiben. Im Jahr 1927 wurde dann - nach der Zustimmung des Gemeinderates - hierfür mit der provisorischen Einrichtung einer Baustelle begonnen. Die erste Genehmigung zur Gewinnung von Kies und Sand wurde durch das Hessische Ministerium für Finanzen in Darmstadt, vertreten durch das Hessische Wasserbauamt in Worms, am 7. August 1928 an die Industrie-Gesellschaft mbH, Mainz, erteilt. Rheinhessen gehörte damals zum Volksstaat Hessen mit der Hauptstadt Darmstadt. Diese Gesellschaft war gegründet worden, um das der Firma F. Minthe gehörende Gelände abzuräumen und die Kies- und Sandgewinnung zu betreiben. Im gleichen Jahr 1928 wurde dann mit der Schaffung einer Einfahrt vom Rhein zum geplanten Kiesfeld hin begonnen.  
 
Um den am Rhein befindlichen Leinpfad nicht zu unterbrechen, wurde über die fertiggestellte Einfahrt eine Hubbrücke gebaut. Der Sand- und Kiesabbau erfolgte zunächst mit einfachen Eimerkettenbaggern, die noch mit Dampf angetrieben und mit Kohle befeuert wurden. Der Abtransport des gewonnenen Materials auf dem Rhein erfolgte mit Schleppkähnen von 150-400 to, zusammengestellt zu kleinen Schleppzügen aus 2-3 Einheiten. Löschstellen waren in Gernsheim, Mannheim, Mainz und Frankfurt. In der Abbaugenehmigung, der sogenannten Verpflichtungsurkunde, wurde die Abbautiefe auf etwa 5,5 m beschränkt, was der im Bereich der Einfahrt im Rhein vorhandenen größten Flußsohlentiefe entsprach. Der Abraum des auf den Kiesschichten lagernden, nicht verwertbaren Bodens wurde mittels Gleisbetrieb zu vorher bestimmten und festgelegten Einbaustellen transportiert. Nach anfänglich sehr guten Umsätzen, wobei ein Großteil des abgebauten Materials im Autobahnbau Verwendung fand, entstanden größere Absatzschwierigkeiten, so daß der Abbaubetrieb zeitweise nahezu völlig eingestellt werden mußte. Zu Beginn des Jahres 1938 erwarb die Firma F. Minthe von der Gemeinde Eich im Gebiet "Meerwasser" weitere 44 ha Gelände, was später im Rahmen von Flurbereinigungs-maßnahmen im Tausch gegen 42 ha im Bereich Fellwiggraben/Steinswert/Weidich von der Gemeinde Eich wieder übernommen wurde. Bei diesem Tausch wurde die Firma verpflichtet, das Sumpfgelände im Gebiet "Meerwasser" aufzufüllen und damit zu nutzbarem Ackerland zu machen.
 
An die Gemeinde Eich mußte auch ein sogenannter Industriezuschlag in Höhe von RM 117.000,-- bezahlt werden. Im Gegenzug hierfür wurde das der Firma Minthe zugesagte Abbaugelände auf ca. 110 ha erweitert. 1939 wurde die im Bereich der Einfahrt bestehende Zugbrücke entfernt. Die Kiesgrube war damit auch für größere Transportschiff-Einheiten vom Rhein her erreichbar. Eine Abbaugenehmigung für das neu erworbene Gelände wurde 1941 erteilt. Gleichzeitig wurde mit Auffüllarbeiten im Gebiet "Meerwasser" begonnen, wie es mit der Gemeinde vereinbart worden war. Etwa 900.000 m3 mußten abgebaut, verladen und zur Einbaustelle transportiert werden. Zu diesem Zeitpunkt erreichte der Abraumbetrieb sein größtes Ausmaß. 40 Mann Personal und 10 Abraumzüge bewältigten dies. Im Rahmen dieser Maßnahmen wurde auch mit dem Bau eines neuen Hochwasserdammes begonnen. Dieser war notwendig geworden, um das in dem Gewann "Büttelweidich/Im Weidich" liegende Materialvorkommen abbauen zu können. Im Jahr 1955 wurde dieser neu geschaffene Damm offiziell abgenommen und zum neuen Hochwasserdamm erklärt. In den Jahren 1944/45 litt der Abbaubetrieb zunehmend unter Kriegseinwirkungen. Zudem wurden im Frühjahr 1945 mehrere schwimmende Geräte im See versenkt, darunter die der Firma F. Minthe gehörende moderne Sandaufbereitungsanlage "Sasi" sowie der Motorschlepper "Rhein". Nach der Bergung der versenkten Objekte nach Kriegsende wurde der Abbaubetrieb wieder aufgenommen. Im Jahr 1957 verzichtete die Firma F. Minthe bzw. die Industrie-Gesellschaft mbH auf einen weiteren Abbau im dafür bereits genehmigten Gelände "Büttelweidich/Im Weidich".
 
Der Grund für diese Entscheidung war, daß das durch den neuen Damm geschützte Gelände für einen Abbau als nicht mehr rentabel angesehen wurde. Die an sich überraschende Entscheidung wird aber dadurch verständlich, daß der damalige Abbau nur bis in eine Tiefe von 5,50 m genehmigt worden war und daß über dem Abbaugelände teilweise bis zu 3-3,5 m Abraum lag. Dieses Verhältnis Abraum:gewinnbare Kiesmenge erschien so ungünstig, daß man auf einen Abbau verzichtete. Inzwischen hat sich diese Sachlage verändert, da nun eine Gewinnungstiefe von bis zu 30 m möglich und erlaubt ist. Deshalb wurden auch 1971 und 1974 bei der genehmigenden Behörde, der Bezirksregierung Rheinhessen-Pfalz in Neustadt, Anträge auf Vertiefung des bestehenden Sees und auf Erweiterung des Abbaugeländes in der schon einmal genehmigten Ausdehnung gestellt. Es wird davon ausgegangen, daß jetzt nach Vorliegen aller Untersuchungsergebnisse und Planungsunterlagen eine neue Genehmigung erteilt werden kann. Die heutige Ausdehnung des Sees kann sich - wie erwähnt - in den kommenden Jahren beim geplanten Abbau weiterer Kieslagerstätten im jetzt noch landwirtschaftlich genutzten, südlich an den See angrenzenden Gebiet vergrößern. Dabei kann es zu ähnlichen Formbildungen der Land-See-Grenzen kommen, wie im jetzt bestehenden See, wo Halbinseln dadurch entstanden sind, daß sie sich als Gebiete mit örtlich vorkommenden Ton- und Feinsandschichten (Lette, Gley) für eine profitable Kiesgewinnung nicht eigneten und daher ausgespart wurden. Diese Bodenstruktur-bedingte Formgebung des Eicher Sees macht ihn aber gerade wegen seiner verschieden großen Buchten/Halbinseln sehr viel reizvoller, als andere "normale" Baggerseen.  
 
Für die seit 1927 entstandene Wasserfläche hatte sich bei den Einwohnern der umliegenden Ortschaften und z.B. der Bewohner von Worms die Bezeichnung "Eicher Loch" eingebürgert, gelegentlich auch "Minthe-Loch". Beide Bezeichnungen erschienen auch auf offiziellen Straßenkarten. Am 16. September 1965 wurde dann aber "dem Baggersee der Firma Minthe" durch einstimmigen Beschluß des Eicher Gemeinderates der Name "Eicher See" gegeben. Die Uferzonen und das zum jetzigen Wochenendgebiet gehörende Hinterland, das von den Eigentümern verpachtet (Grundstücksgemeinschaft Minthe, GRUGEM) oder verkauft wurde (Gemeinde Eich), betragen in der Fläche ca. 40 ha, so daß die Gesamtfläche des als Eicher See bezeichneten Wochenendgebietes z. Zt. ca. 98 ha groß ist. Die Sand- und Kiesablagerungen im Rheingraben, dem Gebiet zwischen Basel und Frankfurt, wie sie auch am Eicher See erfolgt sind, geschahen in den letzten 25-30 Mio. Jahren, in denen zunächst ein Ur-Rhein und erst später der heutige Rhein nach und nach zwischen Schwarzwald und Vogesen und in unserem Raum zwischen Haardt/Rheinhessen und Odenwald große Mengen an mitgeführtem Gesteinsschotter deponierten. Der Ur-Rhein entsprang in der Zeit 23-5 Mio. Jahren vor heute wahrscheinlich im Gebiet des heutigen Kaiserstuhls und floß auf seinem Lauf nach Norden ab der Wormser Gegend durch Rheinhessen in Richtung Bingen. Er berührte somit nicht die Gegend von Oppenheim/Mainz, also auch nicht das Gebiet um den Eicher See. Im heutigen Rheinhessen wurden dadurch große Mengen an Sand, Kies und Lehm abgelagert. In den Sandablagerungen finden sich die fossilen Reste vieler urzeitlicher Tiere, darunter die des Dinotherium giganteum, eines sogenannten Hauer-Elefanten der bei Eppelsheim in Rheinhessen gefunden wurde. Deshalb werden diese Ablagerungen als Dinotheriensande bezeichnet. Diese Funde stammen aus der Zeit 12 Mio. Jahre vor heute. Schon vor dem Beginn der Flußgeschichte des Rheins, nämlich vor 50 Mio. Jahren, begann eine Absenkung des Rheingrabens. Während das ganze Gebiet abzusinken begann, blieben die Randgebirge (Schwarzwald, Vogesen, Haardt, Odenwald, Taunus) weitgehend stehen. Die Absenkung ging in den folgenden Zeiträumen der Erdgeschichte weiter, die Oberfläche des Rheingrabens wurde aber durch Ablagerungen von zeitweise bestehenden Meeren und durch die Rheinablagerungen weitgehend auf gleicher Höhe gehalten. Die heute obersten Schichten sind daher Ablagerungen des Rheins, bestehen also aus Gesteinsschotter, Kiesen und Sanden. Um sich vorstellen zu können, welche Ausmaße die Absenkung des gesamten Rheingrabens annahm, kann das Ergebnis einer Tiefenbohrung bei Stockstadt angeführt werden. Dort liegen Erdschichten des frühen Tertiärs (ca. 50 Mio. Jahre vor heute), die damals die Oberfläche des Gebietes waren, 1700 Meter unter der heutigen Oberfläche. Der Absenkungsprozeß dauert auch heute noch an: Zwischen Heidelberg und Darmstadt beträgt die jährliche Absenkung ca. 1 mm. Die im Norden des Rheingrabens generell etwas stärkere Absenkung hat dazu geführt, daß der Ur-Rhein und dann auch der Rhein nach Norden flossen bzw. fließen. In der Zeit 37-23 Mio. Jahre vor heute bedeckte - in unterschiedlicher Ausdehnung - ein Meer unser Gebiet, was über die Wetterauer Senke und den Rheingraben ein großes Meer im Norden und ein Meer im heutigen Alpenraum verband.
 
Die Gebiete um Frankfurt, Mainz, Alzey, Worms und Basel lagen unter dem damaligen Meeresspiegel. In den folgenden Jahrmillionen zog sich dieses Meer zurück bzw. trocknete teilweise aus. Es hatte jedoch insbesondere im rheinhessischen Gebiet schichtweise Ablagerungen hinterlassen, die als Rupelton3) und Schleichsande4) bezeichnet werden. Die verbliebenen Reste des Meers wurden zu Brackwasser- und Süßwasserseen, was durch die Veränderungen der fossilen Flora- und Fauna-Funde belegt ist. Ein solches Meer und nachfolgend ein Süßwassersee fülltendas Mainzer Becken in der Zeit von 35 Mio. bis ca. 5 Mio. Jahren vor heute aus. Die nördliche Begrenzung des Mainzer Beckens war in etwa der Taunus, die westliche eine Linie von Bingen nach Kirchheimbolanden, die östliche zeitweise der Odenwald, zeitweise die Linie Rüsselsheim-Frankenthal. Nach Süden gab es keine deutliche Grenze. Das Gebiet um Eich lag zeitweise unter dem Wasser des Mainzer Beckens, zeitweise aber auch außerhalb. Das Klima war während der Existenz des Mainzer Beckens subtropisch/tropisch bei mittleren Jahrestemperaturen von 18-20°C. Die Fossilienfunde zeigen daher subtropische bis tropische Pflanzen- und Tierwelt im Mainzer-Becken-See und auf den umgebenden Landgebieten. Krokodile und Riesenhaie von 10 m Länge lebten im See, und Nashörner, Elefanten und Flamingos besiedelten das Land und die Küstenregionen. Bis vor 12 Mio. Jahren lebten im Gebiet um das Mainzer Becken auch Menschenaffen.
 
In der Zeit 8,5 Mio. Jahre vor heute begann sich das Klima im Gebiet des Mainzer Beckens abzukühlen. Die Flora- und Faunafunde in den rheinhessischen Erdschichten aus dieser Zeit zeigen ein Klima etwa wie heute an (Dorn-Dürkheimer-Funde). In der Zeit 5 Mio.-2,3 Mio. Jahre vor heute senkte sich der Rheingraben stärker ab. Der Ur-Rhein floß immer noch durch Rheinhessen und lagerte dort seine Sand- und Kiesmassen ab. Im Laufe dieses Zeitraums kommt es aber zwischen dem Quellgebiet des Ur-Rheins (Kaiserstuhlgebiet) und dem Fluß Aare im süddeutschen-schweizerischen Gebiet zu einer Verbindung. Der Ur-Rhein zapfte dadurch die Aare an und gewann somit Zugang zu Quellen im Alpenraum. Es bildete sich dadurch das Quellgebiet des heutigen Rheins in den schweizer Alpen aus. Die Donau verlor dadurch die Aare als ihren damaligen Quellfluß. An diese Zeit schließt sich in Mitteleuropa, d.h. auch in unserem Gebiet, das Zeitalter des Wechsels zwischen Kaltzeiten und Warmzeiten an. Es dauerte von 2,3 Mio. - 10.000 Jahre vor heute. Erste Kaltzeiten mit kilometerweiten Eispanzern auf den heutigen süddeutschen Mittelgebirgen und in der nordeuropäischen/norddeutschen Landmasse sowie in den Alpen und im Alpenvorland traten zwischen 2,3 Mio. und 1,3 Mio. Jahren vor heute auf. Danach entwickelten sich periodisch im Wechsel mit Warmzeiten die nach süddeutschen Flüssen benannten Eiszeiten: Günz-Eiszeit (900.000-800.000 Jahre vor heute); Mindel-Eiszeit (480.000-380.000 Jahre vor heute); Riß-Eiszeit (250.000-125.000 Jahre vor heute); Würm-Eiszeit (75.000-10.300 Jahre vor heute). In diesen Kälteperioden gab es mittlere Januartemperaturen von -14 bis -22°C und mittlere Julitemperaturen von +5 bis +10°C. In unserem Gebiet lebten kälteliebende Tiere, wie Fellnashörner, Mammut und Rentiere.
 
In der zwischen den beiden Eiszeiten Günz und Mindel liegenden Warmzeit (800.000-480.000 Jahre vor heute), die z.T. wärmer als unser Klima heute war, lebten in unserem Gebiet wärmeliebende Tiere, wie Nashörner, Wasserbüffel, Flußpferde, Löwen, Bisons und Affen. Vorläufer des heutigen Bären waren damals die Höhlenbären, die in den Ablagerungen dieser Warmzeit, den Mosbacher Sanden bei Wiesbaden, gefunden wurden. Die Mosbacher Sande sind Ablagerungen des Rheins, Mains und der Taunusbäche. Dort fand man auch die Knochen des größten Elefanten der Erdgeschichte, des Steppenelefanten. Seine Schulterhöhe war 4,5 Meter hoch, seine Stoßzähne waren bis zu 4,5 Meter lang. Die in den Kälteperioden der verschiedenen Eiszeiten lebenden Mammuttypen verschwanden gegen Ende der Würm-Eiszeit aus Deutschland, d.h. vor 12.000 bis 10.000 Jahren. In den Mosbacher Sanden und in den Mauer-Sanden bei Heidelberg wurden auch die größten Löwen der Erdgeschichte gefunden mit einer Körperlänge von 2,40 Metern. In einer späteren Warmzeit (385.000-250.000 Jahren vor heute) lebten auch wieder Wasserbüffel, von denen ein Schädelfragment mit Hornzapfen in Eich gefunden wurde (Original im Naturhistorischen Museum in Mainz). Außerdem wurden in den Ablagerungen dieser Warmzeit auch die Reste von Hyäne, Jaguar, Gepard, Wildschwein, Wolf und vielen heute hier nicht mehr vorkommenden Kleinsäugern gefunden. In der gleichen Zeit entstanden auch bei Heidelberg Ablagerungen des Rheins und des Neckars, die nach der kleinen Ortschaft Mauer bei Heidelberg benannt wurden, die Mauer-Sande. Diese Ablagerungen wurden berühmt, weil in ihnen 1907 in einer Kies-Sandgrube der Unterkiefer des Homo erectus heidelbergensis gefunden wurde, des ältesten europäischen Frühmenschen, der in unserem Raum vor etwa 550.000 Jahren gelebt hat.
 
Die Funde aus der Zeit danach, d.h. zwischen 480.000 und 10.300 zeigen, daß die Tierarten je nach Kalt- oder Warmzeit zu- und abwanderten. Bei beginnenden Warmzeiten zogen sich die kälteliebenden und -resistenten Tiere zurück und die wärmeliebenden Arten wanderten zu, was bei beginnenden Kalt- (=Eis-) zeiten zu umgekehrten Wanderungserscheinungen führte. Aus den Funden in den Rheinablagerungen ist diese Periodizität nachweisbar. Gleiches gilt für die Flora unseres Gebietes. Als Beispiel für die Fauna- und Flora-Verhältnisse in einer Eiszeit sollen diejenigen der Würm-Eiszeit genannt werden, die die letzte Kaltzeit in unserem Gebiet war (75.000-10.300 Jahre vor heute). In unser Gebiet war inzwischen der Mensch eingewandert, und zwar im Zeitraum 385.000-250.000 Jahre vor heute eine Vorstufe des Neandertalers. Im Zeitraum 100.000 Jahre vor heute lebten dann hier die Sippen des Neandertalers. Dieser Menschentyp verschwand aber in der Zeit 40.000-20.000 Jahre vor heute, und es erschien der heutige Mensch, der Homo sapiens. In der Würm-Eiszeit war also unser Gebiet von nicht seßhaften, von der Jagd lebenden Menschen, zunächst Neandertalern, durchstreift. Das Leben der Menschen und der Tiere war in diesen Zeiträumen beschwerlich, da die Vegetation in den Kälteperioden (z.B. zwischen 20.000 und 18.000 Jahren vor heute) spärlich und der Boden das ganze Jahr über mehrere Meter tief gefroren war. Erst um 18.000 Jahre vor heute begann sich das Eis nach Norden und im Süden weiter in die Alpen zurückzuziehen, wobei riesige Gesteinsschottermassen von den abtauenden Eismassen freigegeben wurden und in großen Gletscherwasserströmen und von den Flüssen, so auch vom Rhein, abtransportiert und über Gebieten, die weit entfernt sein konnten, abgelagert wurden.
 
Dabei entstanden neben den Kies- und Sandablagerungen, zu denen auch die oberen Ablagerungsschichten im Eicher See-Gebiet gehören, steppenartige Landschaften im Rheintal, von denen sich kleine Areale mit alter Flora bis heute erhalten haben, z.B. in den "Mainzer Sanden" und den "Eberstädter Dünen" bei Darmstadt. In der jüngeren Würm-Eiszeit, insbesondere in der Zeit 18.000-10.300 Jahre vor heute lebten in unserem Gebiet vor allem verschiedene Pferdearten auf den ausgedehnten Löß-steppen. Nach dem Zeitraum 10.300 Jahre vor heute erwärmte sich das Klima in unserem Gebiet weiter, so daß sich Wälder bilden konnten (Kiefern, Birken, Eichen, Eschen, Ulmen). Erst seit etwa 2.500 Jahren existiert die heutige Flora. In den z.T. 100 und mehr Meter mächtigen Kies- und Sandablagerungen im Rheintal befindet sich die Fauna und Flora der Würm-Eiszeit und der anschließenden wärmeren Periode zwischen 18.000 und 10.000 Jahre vor heute. Die Fundmöglichkeiten von Tier- und Pflanzenrelikten in diesen Ablagerungen, sind vor allem auf die Kiesgruben konzentriert. In den meisten Kiesgruben zwischen Heidelberg und Darmstadt-Mainz findet sich diese umfangreiche kaltzeitliche Fauna. Durch den relativ hohen Grundwasserspiegel ist es aber so gut wie unmöglich, die Funde direkt aus den Kiesschichten zu entnehmen und so einer zeitlich festlegbaren Sedimentschicht zuzuordnen. Daher ist man weitgehend auf Funde angewiesen, die durch die Kiesbaggerei zutage gefördert werden. Dabei ergibt sich aber keine Einsicht in die Lagerungsverhältnisse. Reste von Großsäugern (Elefant, Riesenhirsch, Flußpferd, Wasserbüffel) werden bei Baggerarbeiten in unserem Gebiet in einer Tiefe von 12-19 m unter der Geländeoberfläche gefunden, d.h. von Baggern heraufgeholt, wobei immer wieder Mischungen von warmzeitlichen und kaltzeitlichen Fauna-Elementen vorliegen.
 
In den Tiefen unter 15 m findet sich in den Kiesschichten auch zunehmend Holz. Die Holzarten geben gewisse Hinweise auf die zeitliche Zuordnung der Schichten. Eine zeitliche Zuordnung von Holzfunden zu Fauna-Elementen ist aber oft nicht gegeben, weil die Übergänge von warm- zu kaltzeitliebenden Baumarten und umgekehrt nicht mit den klimatischen Änderungen unmittelbar übereinstimmen. Auch bei den Faunafunden ist diese Unbestimmtheit vorhanden, so daß auch hier die genaue zeitliche Zuordnung oft nur größenordnungsmäßig möglich ist. Im Zeitraum 10.000-2.000 Jahre vor heute hat der Rhein im Vergleich zu den Millionen Jahren davor nur noch geringe Kies- und Sandschichten in unserem Gebiet abgelagert, so daß sich die Erdoberfläche - von der Vegetation abgesehen - wenig verändert hat. In diesem Zeitraum lebten die Menschen der jüngsten Steinzeit und der Bronze- und Eisenzeit, die die Kies- und Sandablagerungen wenig nutzten. Ab der Zeit von etwa 2.000 Jahren vor heute änderte sich dies. Mit der römischen "Kolonisation" des linken Rheinufers, also auch unseres Gebietes, begann eine zunehmend rege Bautätigkeit und damit auch der Sand- und Kiesabbau. Das Gebiet um den Eicher See ist hierfür ein Beispiel.  
 
(1) Bodenstruktur von Quarzkörnern mit einem Korngrößendurchmesser von 0,063-0,002 mm
(2) Gley=grundwasserbedingte Oxidationsbodenschichten)
(3) nach dem Rupeltal in Belgien benannte Tonschichten mit wechselndem Feinsandgehalt u. feinverteiltem Kalk.
(4) Schleichsande bestehen aus feinsandigen, glimmer- und kalkhaltigen Mergeln, die bei starker Durchfeuchtung breiartig fließen und zu gefährlichen Hangrutschen führen können.